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Innsbruck
Gleichberechtigung vorantreiben

Tiroler ‚Care-Gipfel‘ nimmt Lebensrealitäten von Frauen in den Fokus

17.04.2026

Gleichstellungsbericht zeigt: Lohnschere, höhere Arbeitsbelastung von Frauen, viel unbezahlte Sorgearbeit, größere Armutsgefährdung. Strukturelle Änderungen notwendig.

Gleichstellungsbericht zeigt: Lohnschere, höhere Arbeitsbelastung von Frauen, viel unbezahlte Sorgearbeit, größere Armutsgefährdung. Strukturelle Änderungen notwendig.

„Es ändert sich zu wenig und zu langsam, wenn es um die Lebensrealitäten von Frauen und echte Gleichberechtigung geht!“, darüber waren sich die Teilnehmerinnen des Tiroler ‚Care-Gipfels‘ bei der Auftaktveranstaltung am 16. April in Innsbruck einig.

Ausgerufen haben ihn die SPÖ-Frauen mit Vorsitzender NRin Selma Yildirim, mit Politikwissenschaftlerin Alexandra Weiss und den Gewerkschafterinnen in der SPÖ. Als Kooperationspartnerinnen waren AMS und Frauen im Brennpunkt dabei. Der Diskussionsbedarf war groß, wie die lebhafte Beteiligung aus dem Publikum zeigte: von Mobilität, verpflichtender Väterkarenz, Teilzeitarbeit, Elementarpädagogik, Arbeitszeitverkürzung und viel mehr reichten die Themen. In den kommenden Monaten werden weitere Veranstaltungen in den Tiroler Bezirken folgen.

„Ohne Frauen läuft gar nichts. Nicht in der Wirtschaft, nicht daheim, nicht im Ehrenamt und auch der Politik würden mehr Frauen gut tun. Und trotzdem: Frauen verdienen noch immer weniger als Männer und arbeiten mehr – insbesondere unbezahlt. Der Care-Gipfel spricht das an, diskutiert mit den Expertinnen – also den Frauen – und will Lösungen erarbeiten“, schildert Selma Yildirim.

Alexandra Weiss ist Mitautorin des Tiroler Gleichstellungsberichtes 2024, den Landesrätin Eva Pawlata in Auftrag gegeben hatte.

Forschung und Zahlen aus dem Bericht in die Praxis zu holen, ist Weiss ein zentrales Anliegen, wie sie in ihrem Referat deutlich machte: „Die Verteilung von Arbeit ist der Knackpunkt bei der Gleichberechtigung. Unbezahlte Arbeit wird in die Familien verschoben. Tirol hinkt hier in vielen Bereichen hinterher. Das traditionelle Arrangement der Arbeitsteilung ist nach wie vor aufrecht, stimmt aber mit den Lebensrealitäten längst nicht mehr überein. Frauen arbeiten mehr als doppelt so viel unbezahlt wie Männer und sie leisten 81% der häuslichen Pflege. Frauen wird in vielen Bereichen Zeit gestohlen, die ihnen in anderen Bereichen – wie der bezahlten Arbeit – dann fehlt“, erläutert Politikwissenschaftlerin Alexandra Weiss.

Am Podium diskutierten Weiss, Yildirim, gf. ÖGB-Vorsitzende Sonja Föger-Kalchschmied, Beatrix Hammer-Granig (Gleichstellungsbeauftragte AMS), Veronika Steger (Bereichsleiterin Gleichstellung Frauen im Brennpunkt).

Frauen sollen selbstbestimmt und frei von Abhängigkeit leben können. Das ist auch der beste Gewaltschutz. Dazu gilt es traditionelle Geschlechterrollen aufzubrechen. Die moralische Keule von der Rabenmutter, Quoten- oder Karrierefrau muss endlich verschwinden. Strukturelle Reformen in der Kinderbildung und –betruung sowie der Pflege sind ebenso notwendig wie die gerechtere Aufteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit – Stichwort halbe-halbe. Das ist nicht nur gerecht, sondern auch ökonomisch sinnvoll.

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