Ansetzen müsse man daher an anderer Stelle: „Wir brauchen altersgerechte Arbeitsplätze, eine starke Gesundheitsvorsorge und vor allem die Bereitschaft der Unternehmen, ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer tatsächlich zu beschäftigen. Wer von Arbeiten bis 68 spricht, muss auch erklären, wer diese Menschen bis 68 beschäftigen soll.“
Für den Tiroler SPÖ-Chef steht fest: „Wer länger arbeiten möchte, soll das selbstverständlich können. Wer sein Arbeitsleben lang seinen Beitrag geleistet hat, muss aber auch das Recht auf eine würdige Pension haben. Eine pauschale Anhebung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters lehne ich daher klar ab.“ Eine solche Maßnahme würde in vielen Fällen lediglich dazu führen, dass Menschen länger arbeitslos sind, Notstandshilfe beziehen oder aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen außerhalb des Erwerbslebens verharren müssten. „Irgendwann muss es auch genug sein“, so Wohlgemuth.
Besonders kritisch sieht er, dass die Debatte oft an den tatsächlichen Arbeitsbedingungen vieler Beschäftigter vorbeigeht: „Wenn der IV-Präsident von Arbeiten bis 68 spricht, sollte er einmal mit einer Pflegekraft, einem Bauarbeiter oder einer Verkäuferin darüber reden, wie realistisch das in der Praxis ist.“ Statt einer Erhöhung des Pensionsantrittsalters brauche es Maßnahmen für gesunde Arbeitsbedingungen, bessere Prävention und eine stärkere Unterstützung jener Menschen, die jahrzehntelang gearbeitet haben. „Wer Leistung einfordert, muss auch Respekt vor der Lebensleistung der Menschen haben“, betont Wohlgemuth abschließend.