„Die am 1.1.1976 in Kraft getretene Familienrechtsreform in Österreich war der entscheidende Schritt in Richtung der Selbstbestimmung von Frauen. Kaum zu glauben, dass bis dahin der Mann als Oberhaupt der Familie galt, dem die ‚Frau in allen Entscheidungen Untertan zu sein‘ hatte, wie es im ABGB stand. Schon 50 Jahre zuvor hatten sozialdemokratische Abgeordnete einen entsprechenden Antrag im Parlament eingebracht, mit dem sie allerdings gescheitert waren“, fasst SPÖ-Justizsprecherin und Landesfrauenvorsitzende Selma Yildirim zusammen.
Frauen durften bis dahin beispielsweise gegen den Willen des Mannes nicht arbeiten gehen oder ein Konto eröffnen. Während die Familienrechtsreform im Parlament einstimmig beschlossen wurde, gab und gibt es in vielen anderen Bereichen eine beharrende Männerlobby.
In den vergangenen Jahren geraten Frauenrechte weltweit wieder zunehmend in Bedrängnis. „Von Vorschlägen wie einer Herdprämie durch die FPÖ, über anti-feministische Influencer, die dazu aufrufen, Frauen zu unterwerfen, Parolen wie ‚dein Körper gehört mir‘, die sich klar gegen das Selbstbestimmungsrecht richten, bis zum Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen reicht die Palette. Und: auch in Österreich ist die Lohnschere weiterhin offen, werden Schwangerschaftsabbrüche nur geduldet und sind kein Recht und schon gar keine anerkannte Gesundheitsleistung“, betont Yildirim.
„50 Jahre Familienrechtsreform sind ein Erfolg, an den wir erinnern. Vor allem aber Mahnung und Auftrag, dass es noch viele Verbesserungen braucht, bis echte Gleichberechtigung umgesetzt ist. Bedenklich ist, dass sogar Erreichtes nicht selbstverständlich ist, sondern immer wieder von uns verteidigt werden muss.“