Am 08. März wird auch dieses Jahr wieder der Internationale Frauentag begangen. Traditionell wird an diesem Tag ein ganztägiges Programm in der Maria-Theresien-Straße mit anschließendem Demozug durch die Stadt von der Frauenvernetzung organisiert. Heuer wird an diesem Ort allerdings erstmals eine Veranstaltung von der Organisation „Jugend für das Leben“ abgehalten: „Es ist schockierend, dass christliche Fundamentalisten nicht einmal mehr davor zurückschrecken, den Weltfrauenkampftag für ihre Anti-Abtreibungs-Propaganda zu instrumentalisieren. Die Gründe für Schwangerschaftsabbrüche sind vielfältig und betreffen den höchstpersönlichen Lebensbereich. Wenn sich eine Frau für einen Abbruch entscheidet, ist dies ebenso zu respektieren, wie die Entscheidung, ein Kind zu bekommen. Für uns ist die Selbstbestimmung von Frauen nicht diskutabel. Jeder Tendenz, Frauenrechte aufzuweichen, anzugreifen oder abzubauen, treten wir entschlossen entgegen, egal ob diese Angriffe von religiös-fundamentalistischer Seite oder von politisch reaktionären Kräften kommen“, stellt SPÖ-GRin Daniela Hackl mit Nachdruck klar.
Die Innsbrucker Regierung hat in ihrem Zukunftsvertrag festgehalten, dass es die Möglichkeit zum sicheren und niederschwelligen Abbruch als Teil einer guten Gesundheitsversorgung von Frauen dringend benötigt: „Wir freuen uns sehr, dass es nun in einem ersten Schritt gelungen ist, einen Arzt zu finden, der in niedergelassener Praxis in Innsbruck diese notwendige Gesundheitsleistung für Frauen anbieten wird. Das ist ein großer Erfolg, der federführend unserer Landesrätin Eva Pawlata und Klubobfrau Elisabeth Fleischanderl im Landhaus hart erkämpft wurde. Damit wurde die Gefahr einer Versorgungslücke gebannt. Für uns ist gleichzeitig klar, dass die nachhaltigste und niederschwelligste Lösung immer noch darin besteht, Schwangerschaftsabbrüche direkt an der Innsbrucker Klinik durchzuführen. Dort ist das Netz psychosozialer Betreuungsleistungen wesentlich engmaschiger, als es im niedergelassenen Bereich möglich wäre. Vonseiten der Stadt Innsbruck kann ich hier jedenfalls Unterstützung zusichern!“, bekräftigt Vizebürgermeisterin Elli Mayr ihre Unterstützung und appelliert an die zuständige Gesundheitslandesrätin Cornelia Hagele und ihre Partei. „Ich weiß, dass viele, auch Wählerinnen und Wähler der konservativen Partei, sagen, es braucht eine Gesundheitsversorgung für Frauen, die dieses Thema nicht länger ausblendet, sondern sich der Realität stellt und Frauen ein sicheres Angebot an der Klinik ermöglicht: leistbar für alle, die es brauchen, inklusive psychosozialer Begleitung! Wir dürfen uns, auch als Parteien der Mitte, keinesfalls von den zunehmenden reaktionären Tendenzen oder ein paar wenigen, überlauten und uns drohenden Stimmen einschüchtern lassen. Frauengesundheit ist nicht verhandelbar, die Tiroler Volkspartei muss hier endlich Farbe bekennen und die Umsetzung an der Klinik bzw. am Landeskrankenhaus ebenfalls mit allen Kräften unterstützen.“
Auch in anderen Bereichen setzt die Innsbrucker Koalition auf frauenpolitische Akzente: Von der Bildung bis über Soziales hin zum Wohnen wird auch der Blick durch die frauenpolitische Brille gesucht. Das fängt damit an, dass bei der Planung von Spiel- und Sportplätzen bedacht werden muss, dass diese überproportional von jungen Burschen genutzt werden und es Angebote braucht, die für Mädchen attraktiv sind. Dunkle Gassen und andere Orte im öffentlichen Raum, die Unsicherheitsgefühle auslösen, sollen gezielt bespielt, durch Beleuchtung und andere Maßnahmen sicherer gemacht und aufgewertet werden. „In meinem Herzensressort, der Bildung, arbeiten wir konkret daran, geschlechterbezogene Klischees und Vorurteile über bestimmte Berufe abzubauen, mit einer speziellen Förderung für Mädchen im MINT-Bereich, mit dem Girls’ Day, wo Mädchen bei der Berufsfeuerwehr oder in anderen vorwiegend männlich dominierten Berufsfeldern schnuppern können, oder umgekehrt mit dem Boys’ Day, an dem junge Burschen in diverse Sozialberufe mit hohem weiblich Personalanteil schnuppern können. Auch beim Thema Wohnen ist es essentiell, dass Frauen selbstbestimmt und sicher in ihren eigenen vier Wänden leben können. Hier sind alle politischen Ebenen gefordert, besonders auch das Problem der enormen Anzahl an Femiziden in Österreich entschlossen anzugehen“, betont Vizebürgermeisterin Mayr und bringt es auf den Punkt: „Letztlich muss Geschlechtergerechtigkeit in jedem politischen Prozess immer mitbedacht werden. Frei nach Johanna Dohnal: Das Ziel ist nicht eine ‚weibliche‘ Zukunft für Innsbruck, Tirol und darüber hinaus, sondern eine menschliche und damit bessere Zukunft – weil es in einer Welt, in der es Frauen und Mädchen gut geht, tatsächlich allen viel besser geht!“