Nur 18,8 Prozent der Pflichtschüler:innen in Tirol sind in schulischer Ganztagsbetreuung: Damit ist Tirol das Schlusslicht unter den Bundesländern – und das läge weniger am Bedarf als vielmehr am überschaubaren Angebot, erklären der SPÖ-Bildungssprecher im Tiroler Landtag, Benedikt Lentsch, und die für Bildung zuständige Vizebürgermeisterin von Innsbruck, Elisabeth Mayr.
Beide befürworten deshalb eine Ausbauoffensive „Das Angebot der schulischen Ganztagesbetreuung ist wesentlich für die frühe Förderung der Chancengerechtigkeit. Das ist zum Vorteil der Kinder, aber auch der Eltern, die sich so teure Nachhilfe ersparen können und insbesondere bei Berufstätigkeit massiv entlastet werden. Weil sie wissen, dass die Kinder auch am Nachmittag gut betreut werden“, erklärt SPÖ-Bildungssprecher Lentsch.
Nicht umsonst steigt die Nachfrage stetig: „Um die Ganztagsschule mit verschränktem Unterricht, die der Bildungsminister als die ‚echte‘ Ganztagsschule bezeichnet, in der österreichweit besten Qualität umsetzen zu können, geben wir mehr als 800.000 Euro für zusätzliches Personal für die Freizeiteinheiten in der verschränkten Ganztagsschule aus. Dadurch sind jederzeit Ausflüge in die Stadtbibliothek, auf den Eislaufplatz oder in die Waldschule in den Freizeiteinheiten umsetzbar, andererseits können Gruppen nach Bedürfnis geteilt werden, etwa wenn ein Teil der Kinder Rückzug und Entspannung braucht und ein anderer Teil Bewegung und Austoben“, erklärt Vizebürgermeisterin Mayr. Insgesamt sind mehr als 50 Prozent der Kinder an städtischen Schulen in der Ganztagsbetreuung, hinzu kommen noch jene Kinder, die einen der neun städtischen Schülerhorte besuchen. Der Ausbau der Ganztagsschule ist flächendeckend umgesetzt, an knapp einem Drittel der städtischen Schulen wird mittlerweile die verschränkte Form umgesetzt.
„Das ist klare sozialdemokratische Handschrift in Innsbruck“, betont Mayr und appelliert an den Bund, weitere Anreize zu schaffen und Kommunen stärker zu unterstützen. „Etwa durch Förderungen, wenn Gemeinden an verschränkt geführten Ganztagsschulen einen kostenlosen Mittagstisch anbieten. Oder durch Förderungen zugunsten besserer Personalausstattung, wie wir in Innsbruck das vorzeigen: Alles, was Kosten und Qualität unterstützt, hilft und stärkt die Chancen unserer Kinder. Beste Bildung für alle muss das Ziel sein. Die Ganztagsschule ist der Weg dorthin – und fördert zugleich die Gleichstellung, vor allem zugunsten berufstätiger Frauen.“
Umso mehr Sinn würde es machen, wenn sich Österreich insgesamt – und somit auch die konservativen Parteien – zur ganztägigen, gemeinsamen Schule bekennen würde. Das fordert die SPÖ seit langem und das aus gutem Grund: „Unzählige Studien und Beispiele aus anderen Ländern zeigen klar, dass die gemeinsame Schule einfach das bessere System ist“, betont Lentsch. „Deshalb wird’s Zeit, dass die konservativen Parteien ihre ideologischen Scheuklappen endlich ablegen und sich an den Fakten orientieren – und an den Kindern, die die beste Zukunft verdienen, die wir ihnen geben können.“